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2015: Außergewöhnlicher Hitzesommer, schneearmer Winter

2015: Außergewöhnlicher Hitzesommer, schneearmer Winter

UBIMET: zweitwärmstes Jahr seit Messbeginn, dazu teils große Trockenheit

Wien, 26.12.2015 - Vom Wetterjahr 2015 wird vor allem der Sommer mit seinen langen Hitzewellen in Erinnerung bleiben. Besonders auffällig waren neben der Rekordanzahl an Tagen mit mehr als 35 Grad, die sehr warmen Nächte und die damit einhergehende Trockenheit im Osten. Markant stachen auch die Schneearmut im Süden, der Blizzard im Februar in Wien und der heftige Sturm am Alpenostrand Ende November hervor. Am Ende bilanziert das Jahr als zweitwärmstes seit Beginn der Messungen, fasst der Wetterdienst UBIMET zusammen.

Das Jahr 2015 geht als das zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn 1768 in die Klimabücher ein. Nur 2014 war noch eine Spur wärmer. Hauptverantwortlich für das zweite Rekordjahr in Folge war der heiße Sommer mit zahlreichen Hitzewellen. Der Juli war mit einer Temperaturabweichung von +3,1 Grad sogar der wärmste aller Zeiten. Der Allzeitrekord von 40,5 Grad aus dem Jahr 2013 wurde zwar nicht erreicht, das absolute Maximum von 38,6 Grad, aufgestellt in Gars am Kamp, ist aber durchaus beachtlich. Örtlich reichte es dennoch für neue Stationsrekorde, so z.B. in Innsbruck mit 38,2 Grad. Außerdem wurden verbreitet mehr extrem heiße Tage mit über 35 Grad registriert als je in einem Sommer zuvor. "In Wien kletterte das Quecksilber im August an neun aufeinanderfolgenden Tagen auf über 35 Grad, das gab es seit Aufzeichnungsbeginn noch nie", berichtet UBIMET-Meteorologe Josef Lukas.

Die andauernde Hitzewelle schlug sich auch bei den Nachttemperaturen nieder. In der Wiener Innenstadt beispielsweise sanken die Tiefstwerte gleich in zwei Nächten nicht unter tropisch anmutende 27 Grad. „So warm blieb es in Österreich während der Nachtstunden noch nie“, fügt Lukas hinzu.

Trockenheit und ungleiche Gewitterverteilung

Die lang anhaltende Hitze ging im Norden und vor allem im Osten mit großer Trockenheit einher, zum Teil fiel hier im Sommer nur etwa die Hälfte der üblichen Regenmenge. Entsprechend gewitterarm gestaltete sich dadurch die warme Jahreszeit. Im Bergland und im Süden präsentierte sich die Niederschlagsbilanz hingegen ausgeglichen. Im Süden war es durch einige Gewitterlagen teils sogar deutlich zu nass, lokal führten dort heftige Gewitter sogar zu Überflutungen. Insgesamt verhinderte der kräftige Regen im Süden allerdings Schlimmeres, da zuvor der Winter und der Frühling sehr trocken verlaufen sind. "Seit Mitte Oktober ist vor allem im Süden erneut Trockenheit ein Thema. Diese führte hier neben schneefreien Bergen auch zu lokalen Waldbränden", erläutert Lukas.

Extreme Schneearmut im Dezember

Der Dezember blieb weitgehend schneefrei, selbst in Lagen oberhalb von 1.500 m gab es nur entlang der Nord- und Zentralalpen nennenswerten Schneefall. Aber auch hier fielen die Mengen gering aus. „Komplett braun blieben die Täler, hier reichte es oft an keinem einzigen Tag für eine Schneedecke“, sagt Lukas. „Gänzlich schneefrei zeigten sich auch die Südalpen. Von Osttirol bis in den Südwesten der Steiermark fiel zum Teil keine einzige Flocke.“ Dementsprechend präsentierten sich an den Weihnachtsfeiertagen die Alpen abseits der Kunstschneebänder nahezu schneefrei.

Der Trend zu überdurchschnittlichen Temperaturen setzte sich im Dezember nahtlos fort. „Mit einer positiven Abweichung von über 3,5 Grad vom langjährigen Mittel liegt der Monat unter den Top drei der ewigen Bestenliste“, sagt der Meteorologe. Besonders mild war es auf den Bergen. „Am Feuerkogel verlief der Monat sogar um knapp 7 Grad zu warm.“

Zwei heftige Sturmereignisse

Noch gut in Erinnerung sind die Sturmtiefs Nils und Oscar zur Monatswende November/Dezember im Flach- und Hügelland Nord- und Ostösterreichs. Diese wüteten vor allem am Alpenostrand teils mit Orkanböen, so wurden in Wiener Neustadt 130 km/h und in Wien-Unterlaa 126 km/h gemessen. Vergleichbares gab es hier seit 2007 und Orkan Kyrill nicht mehr. Zu einem weiteren schweren Sturm kam es bereits Ende März, hier traten vor allem vom Flachgau bis zum oberösterreichischen Zentralraum örtlich Windspitzen in Orkanstärke von bis zu 122 km/h auf. Die heftigste Böe des Jahres abseits der Berggipfel wurde aber am 7. Juli in Innsbruck mit 140 km/h im Zuge eines schweren Gewitters registriert. Im Herbst blieben hingegen die sonst üblichen Südföhnstürme weitgehend aus, nur am 17.9. gab es starken Föhnsturm mit bis zu 162 km/h auf dem Patscherkofel und immerhin 90 km/h in Innsbruck.

Schneesturm in Wien

Im insgesamt schneearmen Winter 2014/15 kam es dennoch am 9. Februar im Großraum Wien zu einem regelrechten Blizzard: Bei leicht negativen Temperaturen und Windböen von bis zu 90 km/h schneite es den ganzen Tag über stark. Der Aufenthalt im Freien war kaum möglich und der Straßenverkehr massiv eingeschränkt. „In Verwehungen türmte sich der Schnee bis über einen Meter hoch auf“, erinnert sich der Wetterexperte. „Am Folgetag war der Spuk bei positiven Temperaturen aber schon wieder vorbei und der Schnee schmolz rasch dahin.“

Extremwerte für das Jahr 2015 (Stand 26.12.15, 9 Uhr)

Höchste Temperaturen (Bundesland, Seehöhe, Tag)

38,6 Grad Gars am Kamp (NÖ, 248 m, 22.7.)

38,3 Grad Krems (NÖ, 204 m, 19.7.), Langenlebarn (NÖ, 175 m, 19.7.)

38,2 Grad Innsbruck-Universität (T, 557 m, 7.7.), Schärding (OÖ, 314 m, 22.7.), Wolkersdorf (NÖ, 175 m, 12.8.)

38,1 Grad Wien-Innere Stadt (W, 171 m, 19.7.)

38,0 Grad Seibersdorf (NÖ, 185 m, 12.8.)

 

Tiefste Temperaturen dauerhaft bewohnte Orte (Bundesland, Seehöhe, Tag)

-18,7 Grad Bichlbach (T, 1073 m, 4.2.)

-18,5 Grad St. Michael/Lungau (S, 1050 m, 3.2.)

-18,4 Grad St. Jakob/Defereggen (T, 1388 m, 3.2.)

-18,1 Grad Ehrwald (T, 994 m, 4.2.)

-17,8 Grad Tannheim (T, 1101 m, 3.2.)

 

Nasseste Orte (Summe 1.1. bis inkl. 26.12.)

2107 l/m² Rudolfshütte (S, 2304 m)

1943 l/m² Loibl (K, 1101 m)

1800 l/m² Schröcken (V, 1260 m)

1720 l/m² Sulzberg (V, 1015 m)

1695 l/m² Alberschwende (V, 721 m)

 

Trockenste Orte (Summe 1.1. bis inkl. 26.12.)

311 l/m² Wien-Unterlaa (W, 201 m)

321 l/m² Limberg (NÖ, 288 m)

343 l/m² Laa/Thaya (NÖ, 185 m)

356 l/m² Loosdorf (NÖ, 245 m)

399 l/m² Seibersdorf (NÖ, 185 m)

 

Schneereichste dauerhaft bewohnte Orte (Bundesland, Seehöhe, Tag)

137 cm Schröcken (V, 1260 m, 2.2.)

104 cm Warth (V, 1475 m, 2.2.)

86 cm Obergurgl (T, 1938 m, 3.3.)

82 cm Kössen (T, 589 m, 2.2.)

76 cm Langen (V, 1250 m, 5.3.)

 

Sonnigste dauerhaft bewohnte Orte (Sonnenstunden 1.1. bis inkl. 25.12.)

2263 h Mörbisch (B, 116 m)

2260 h Villach/Stadt (K, 494 m)

2252 h Andau (B, 122 m)

2231 h Güssing (B, 219 m)

2199 h Neusiedl/See (B, 154 m)

 

Höchste Windspitzen in den Tallagen/Niederungen (Bundesland, Seehöhe, Tag)

140 km/h Innsbruck-Kranebitten (T, 584 m, 7.7.)

130 km/h Wiener Neustadt (NÖ, 301 m, 30.11.)

126 km/h Wien-Unterlaa (W, 201 m, 30.11.), Reichenau/Rax (NÖ, 486 m, 28.4.)

122 km/h Arriach (K, 870 m, 8.7.), Waizenkirchen (OÖ, 401 m, 31.3.), Salzburg (S, 450 m, 31.3.), Enns (OÖ, 317 m, 31.3.), Mattsee (S, 505 m, 31.03.)

115 km/h Melk (NÖ, 301 m, 31.3.)

 

Höchste Windspitzen im Gebirge (Bundesland, Seehöhe, Tag)

187 km/h Feuerkogel (OÖ, 1618 m, 10.1.)

162 km/h Patscherkofel (T, 2247 m, 17.9.), Rudolfshütte (S, 2304 m, 17.9.)

155 km/h Jauerling (NÖ, 952 m, 9.1.)

144 km/h Sonnblick (S, 3105 m, 10.1.), Galzig (T, 2081 m, 31.3.)

140 km/h Schöckl (ST, 1445 m, 10.1.)