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August: Extreme Hitze und deutliches Sonnenplus

Eklatantes Niederschlagsdefizit vor allem im Nordosten des Landes

Wien, 31.08.2015 – Auch wenn sich der Sommer 2015 knapp dem Sommer 2003 geschlagen geben muss, geht dieser in jeder Hinsicht in die klimatologischen Geschichtsbücher ein. „Dem wärmsten Juli seit Messbeginn folgte nun auch ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher August mit einer über zwei Wochen anhaltenden Hitzewelle, wie es sie in dieser Form wohl noch nie gegeben hat“, so UBIMET-Meteorologe Josef Lukas. In Summe fällt der letzte Sommermonat des Jahres deutlich zu heiß, zu trocken und mit einem klaren Sonnenplus aus. 

Hitzige Rekorde

Der absolute Monatshöchstwert wurde am 12. August aufgestellt. In Wolkersdorf (NÖ) stieg das Thermometer auf schweißtreibende 38,2 Grad. Damit wurde der heurige Sommerrekord vom Juli in Langenlebarn und Krems nur um ein Zehntel Grad verpasst. Wirklich außergewöhnlich war aber vor allem die Länge der Hitzewelle und speziell die Anzahl der Tage mit extremer Hitze. „Wien erlebte vom 6. bis zum 14. August gleich neun Tage hintereinander mit Werten über 35 Grad. Das ist insofern bemerkenswert, da der bisherige Rekord solcher Tage für den ganzen Sommer 2003 zusammen gerade einmal bei fünf lag. Dieser Rekord wurde also richtiggehend pulverisiert,“ so Lukas.

Hitzewellen mit Folgen

Der 3. August bildete den Auftakt der beispiellose Hitzewelle. Was folgte, war eine zwei Wochen andauernde sengende Hitze mit zahllosen neuen Rekorden und entsprechenden Dürreschäden in der Landwirtschaft. Erst am 17. August leitete eine Kaltfront eine etwas mehr als eine Woche andauernde Phase mit leicht unterdurchschnittlichen Temperaturen ein. Die letzten sechs Augusttage verliefen dann erneut hochsommerlich heiß, in Summe fällt der August mit einer Abweichung von 2,6 Grad gegenüber dem 30-jährigen Mittel (1981-2010) viel zu warm aus. „Damit setzt sich die Reihe der überdurchschnittlich temperierten Monate nahtlos fort. Letztmalig war es im August des Vorjahres kühler als im langjährigen Mittel“, so der Wetterexperte. 

Trockenheit bereitet Probleme

Von wenigen Regionen abgesehen fiel der August in Österreich deutlich zu trocken aus. Verbreitet kamen nur 20 bis 60 % der sonst üblichen Monatsmenge zusammen. Besonders im Osten des Landes fällt das Niederschlagsdefizit zum Teil besorgniserregend aus. „Im niederösterreichischen Mönichkirchen fielen beispielsweise nur 12 Liter des kühlen Nass auf den Quadratmeter. Ein durchschnittlicher August bringt hier beinahe zehn Mal so viel Regen. Die extreme Trockenheit in der ersten Hälfte des Monats ging an den Landwirten nicht spurlos vorüber, enorme Ernteeinbußen und -ausfälle waren die Folge. Erst kurz nach Monatsmitte konnte der sehnsüchtig erwartete, flächendeckende Regen bei manchen Pflanzen gerade noch Schlimmeres verhindern. Am häufigsten regnete es mit insgesamt 177 Litern pro Quadratmeter in Dellach im Drautal, generell wurde zwischen Nordtirol und Oberkärnten das Niederschlagssoll vielerorts erreicht.

Freud und Leid

Während das meist sonnige und trockene Wetter den Landwirten Kopfzerbrechen bereitete, kamen  die Sonnenanbeter im Land voll auf ihre Kosten. Alle Wetterstationen schließen den Monat mit einem klaren Sonnenüberschuss ab. Am häufigsten strahlte die Sonne von Oberösterreich über den Wiener Raum bis nach Unterkärnten vom Himmel. „Spitzenreiter in dieser Statistik ist Reichersberg in Oberösterreich mit mehr als 300 Sonnenstunden. Im Schnitt schien hier die Sonne also 10 Stunden an jedem einzelnen Tag,“ so der UBIMET-Wetterexperte weiter. Nach dem trüben August des Vorjahres gab es heuer also diesbezüglich das komplette Kontrastprogramm.

Kaum Gewitter

Blitz und Donner zählten im abgelaufenen Monat zu den Ausnahmeerscheinungen. „Das UBIMET-Blitzmessnetz hat zwar in Österreich insgesamt rund 64.000 Entladungen registriert, für den sonst gewitterreichen August ist diese Bilanz aber sehr mager,“ sagt Josef Lukas. In Tirol wurden mit gut 17.000 Entladungen noch die meisten Blitze detektiert, gefolgt von Kärnten und der Steiermark. Mit Spittal an der Drau und Innsbruck-Land befinden sich auch die beiden blitzreichsten Bezirke in den bestplatzierten Bundesländern. Die Bewohner der Bundeshauptstadt bekamen hingegen nur 75 Blitze zu Gesicht. Insgesamt war der Donauraum sowie der Südosten Österreichs am seltensten von einem Gewitter betroffen, allerdings wurde dort (Minihof-Liebau, Burgenland) der stärkste Blitz mit einer Stromstärke von 265.000 Ampere registriert.

Extremwerte Österreich: August 2015 (Stand: 31. August 2015 8:00 Uhr) 

Höchste Temperaturen (Bundesland, Seehöhe, Tag)

38,2 Grad Wolkersdorf (NÖ, 175 m, 12.)

37,9 Grad Hohenau / March (NÖ, 155 m, 12.), Limberg (NÖ, 288 m, 12.)

37,8 Grad Andau (B, 122 m, 12.), Schärding (OÖ, 314 m, 7.)

Tiefste Temperaturen in dauerhaft bewohnten Orten (Bundesland, Seehöhe, Tag)

2,4 Grad Obergurgl (T, 1938 m, 21.)

2,5 Grad St. Leonhard / Pitztal (T, 1445 m, 22.), Galtür (T, 1587 m, 10.)

2,9 Grad Summerau (OÖ, 656 m, 26.)

Nasseste Orte (Monatssumme 1.8. - 30.8.)

177 l/m² Dellach (K, 628 m)

166 l/m² Flirsch (T, 1125 m)

151 l/m² Fraxern (V, 809 m)

Sonnigste, dauerhaft bewohnte Orte (Monatssumme 1.8. - 30.8.)

300,4 Stunden Reichersberg (OÖ, 353 m)

300,1 Stunden Mörbisch (B, 116 m)

299,8 Stunden Andau (B, 122 m)

Größte Windspitzen in den Tallagen/Niederungen (Bundesland, Seehöhe, Tag)

101 km/h Melk (NÖ, 301 m, 8.)

86 km/h Innsbruck-Universität (T, 577 m, 4.), Buchberg (NÖ, 467 m, 25.)

79 km/h Mondsee (OÖ, 481 m, 8.)

Größte Windspitzen im Gebirge (Bundesland, Seehöhe, Tag)

130 km/h Rudolfshütte (S, 2304 m, 24.)

126 km/h Patscherkofel (T, 2247 m, 14.)

97 km/h Sonnblick (S, 3105 m, 24.)