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Der Winter kommt nicht in Fahrt

Der Winter kommt nicht in Fahrt

Wie Islandtief und Azorenhoch unser Wetter bestimmen

Wien, 11.12.2015 – Schnee ist in Österreich derzeit Mangelware, und auch die Temperaturen erinnern mehr an den Herbst. Eine der Hauptursachen für diese ungewöhnlich milde und schneearme Witterung ist die sogenannte Nordatlantische Oszillation. Der Wetterdienst UBIMET beleuchtet den Einfluss dieses Wetterphänomens auf unseren Winter und geht der Frage auf den Grund, wie sich dadurch die Chancen auf weiße Weihnachten verändern.

Aktuelle Situation

Die wenig winterliche Wetterlage hierzulande hat ihren Ursprung in der Druckverteilung über dem Atlantik. „Sowohl das Azorenhoch, als auch das Islandtief sind in dieses Tagen sehr stark ausgeprägt. Die Druckdifferenz beträgt rund 50 Hektopascal, das sind durchaus beachtliche Werte“, weiß UBIMET-Meteorologe Konstantin Brandes. Die Folgen dieser großen Druckdifferenz sind nicht übersehbar: Österreich präsentiert sich in diesen Tagen verglichen mit dem langjährigen Mittel von 1981 bis 2010 um etwa fünf Grad zu mild. Ein Blick in die Wetterkarten lässt auch für die nähere Zukunft nur wenig winterliches vermuten. „Bis weit in die kommende Woche hinein bleiben uns nach derzeitigem Stand die milden Luftmassen erhalten. Zudem ist bis nächsten Mittwoch auch praktisch kein Niederschlag zu erwarten“, dämpft Brandes die Hoffnungen aller Schneeliebhaber. Für weiße Weihnachten ist knapp 14 Tage vor dem Fest aber noch alles möglich, auch wenn ein Blick aus dem Fenster eine verschneite Landschaft gedanklich in weite Ferne rücken lässt.

Druckgegensätze

Die aktuelle Großwetterlage wird in erheblichem Ausmaß von der Nordatlantischen Oszillation (NAO) bestimmt. Darunter versteht man in der Meteorologie ein bedeutendes Wetterphänomen, das speziell im Winterhalbjahr in Europa großen Einfluss auf das Wetter nehmen kann. „Auf dem Atlantik gibt es das ganze Jahr über zwei mächtige Druckgebilde, das Azorenhoch im Süden und das Islandtief im Norden. Diese beiden Gegenspieler sind mal stärker und mal schwächer ausgeprägt“, erklärt Brandes. Die Nordatlantische Oszillation beschreibt nun die Schwankung des Luftdruck-Gegensatzes zwischen Azorenhoch und Islandtief. Ist diese Differenz besonders groß, also Hoch und Tief jeweils stark ausgebildet, spricht man von einem positiven NAO-Index. Bei einem negativen NAO-Index ist der Druckgegensatz hingegen deutlich kleiner, mitunter können beide Druckgebilde sogar die Plätze tauschen.

Einfluss auf Europa und Österreich

Ein positiver NAO-Index hat eine kräftige Strömung von Westen über Europa zur Folge. „Mit dieser Strömung gelangen sehr milde Luftmassen auch nach Österreich, der Norden des Kontinents wird zusätzlich zur milden Luft auch noch von kräftigen Regenfällen getroffen“, so Brandes weiter. So gab es in den vergangenen Tagen Überschwemmungen sowohl in Großbritannien als auch in Südnorwegen. Kaltlufteinbrüche aus Nordosten haben in Mitteleuropa bei einer solchen Konstellation kaum eine Chance. Im entgegengesetzten Fall (negative NAO-Phase) schwächt sich die milde westliche Strömung hingegen markant ab und Österreich gelangt mehr in den Einfluss des Hochs über Russland, welches in der Regel trockene und eisig-kalte Luft zu den Alpen strömen lässt.