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Hitzesommer 2015 auf Rekordniveau

Hitzesommer 2015 auf Rekordniveau

Wien, 26.08.2015 – Der Sommer 2015 wird in vielerlei Hinsicht in die meteorologischen Geschichtsbücher eingehen. Zeit für den Wetterdienst UBIMET Bilanz zu ziehen. Stabile Hochdrucklagen und tagelange Hitzewellen sorgten für einen Sommer der Superlative, zumindest bei Badenixen und Sonnenanbetern. Während absolute Hitzerekorde in weiter Ferne blieben, waren vor allem die Anzahl der heißen Tage sowie die extreme Trockenheit im Osten außergewöhnlich.

Hitze als Gesprächsthema Nummer 1

Nichts spaltete die Nation in diesem Sommer so sehr wie der Kampf Hitzefans gegen Hitzegegner. Während die einen von den hohen Temperaturen nicht genug bekommen konnten, stöhnten die Menschen vor allem im Osten unter den viel zu heißen Verhältnissen. „Stabile Hochdrucklagen in Verbindung mit heißer Saharaluft haben heuer das ganze Land wochenlang ins Schwitzen gebracht. Während wir letztes Jahr im östlichen Flachland maximal 22 Tage mit Werten über 30 Grad hatten, waren es heuer mehr als doppelt so viele,“ sagt UBIMET-Meteorologe Martin Schreiter. „Neusiedl am See im Burgenland kommt bis zum Monatsende auf 46 Hitzetage, Werte wie sie normalerweise in beliebten Urlaubsländern im Mittelmeerraum vorkommen. Ankara hat beispielsweise im Schnitt gleich viele solcher Tage.“

Sommer der Rekorde

Speziell der Juli, als heißester Monat seit Beginn der Messungen 1767, hatte es in sich. Bereits am 7. Juli wurde in Innsbruck mit 38,2 Grad ein neuer Rekord aufgestellt. Noch nie war es in der Tiroler Hauptstadt wärmer. Den absoluten Temperaturrekord in diesem Sommer teilen sich aber zwei niederösterreichische Orte. In Langenlebarn und Krems kletterte das Quecksilber am 19. Juli auf 38,3 Grad. „Dieser Wert blieb in den Folgewochen unerreicht. Der österreichische Allzeitrekord von 40,5 Grad in Bad Deutsch-Altenburg aus dem Jahr 2013 kam nicht einmal ansatzweise ins Wanken,“ sagt Schreiter.

Was die Temperaturen tagsüber nicht schafften, wurde dafür in den Nächten erreicht. Eine Reihe sehr heißer Tage gipfelte in der Nacht auf den 23. Juli in der wärmsten Nacht in Österreich seit Messbeginn. In der Wiener Innenstadt sank das Thermometer nicht unter 26,9 Grad, auch die Hohe Warte meldete mit 25,3 Grad Tiefstwert einen neuen Rekord. „Beachtlich ist auch die Anzahl der Tage im Osten mit Werten über 35 Grad. Auf der Hohen Warte in Wien gab es im heurigen Sommer 15 solcher extrem heißen Tage und damit mehr als in den zehn Jahren davor zusammen,“ so der Wetterexperte weiter. „Viele Stationen, wie beispielsweise St. Pölten, Linz oder Bregenz werden zudem einen neuen Rekord bei der Anzahl an Tropentagen aufstellen, das heißt bei den Tagen mit Werten über der 30-Grad-Marke.“ In Summe wird der heurige Sommer aber nicht als wärmster seit Aufzeichnungsbeginn in Erinnerung bleiben, der Jahrhundertsommer 2003 behält seine Spitzenposition. Dahinter folgt auf Platz 2 aber bereits der Sommer 2015, der mit rund 2,4 Grad positiver Abweichung vom 30-jährigen Mittel 1981-2010 abschließen wird.

Dürre und Waldbrandgefahr durch Trockenheit

Die Kehrseite des Schönwettersommers ist schnell ausgemacht - die extreme Trockenheit in weiten Teilen des Landes. Am stärksten betroffen war der Osten des Landes, wo fehlender Regen großen Schaden in der Landwirtschaft verursachte. Auch die hohe Waldbrandgefahr war lange Zeit ein bestimmendes Thema, in Wien beispielsweise herrschte an den öffentlichen Plätzen wochenlanges Grillverbot. Die Trockenheit wiederum hatte auch Auswirkungen auf die Temperaturen. „Fällt über längere Zeit kein Regen, trocknen die Böden entsprechend aus und die Sonneneinstrahlung wird sofort in fühlbare Wärme umgesetzt - ein sich selbst verstärkender Effekt. Im Süden und Westen des Landes, wo das Niederschlagsdefizit deutlich geringer ausfällt, floss nach Schauern und Gewittern ein Teil der Sonnenenergie zunächst in die Verdunstung. Somit war es hier nicht ganz so heiß,“ erklärt UBIMET-Wetterprofi Martin Schreiter.

Unwetterverteilung regional unterschiedlich, deutliches Sonnenplus

Sehr unterschiedlich verteilt waren in diesem Sommer Schauer und Gewitter. „Kärnten und Tirol waren häufiger von heftigen Gewittern betroffen, hier gab es auch einige Überflutungen und Muren. Relativ ruhig verlief der Sommer hingegen im Flachland,“ so UBIMET-Meteorologe Martin Schreiter. Die österreichweite Niederschlagsverteilung spiegelt diese Aussagen wider: Während im Flachland im Schnitt nur etwa die Hälfte der mittleren Niederschlagsmenge fielen, wurden im Bergland meist 80 bis 100% registriert. Eine überdurchschnittliche Regenbilanz ist in Osttirol und Oberkärnten zu verzeichnen. „Häufige Südwestlagen haben nicht nur heiße Luft nach Österreich geführt, sondern gerade im Südwesten des Landes auch den meisten Niederschlag gebracht. Mit knapp 600 Litern auf den Quadratmeter ist in Bad Bleiberg auch die nasseste Station zu finden.“ Was die Sonnenanteile betrifft, gab es vor allem in der Tourismusbranche allen Grund zu jubeln. In ganz Österreich liegt die Sonnenbilanz bereits jetzt deutlich im Plus und in den kommenden Tagen kommen noch einige Stunden hinzu. Die sonnigste Region ist der Seewinkel im Nordburgenland, in Mörbisch wurden bislang 862 Sonnenstunden gemessen.

Extremwerte Sommer 2015 (vorläufige Werte vom 1. Juni bis zum 26. August, 8 Uhr)

Höchste Temperaturen (in Klammer Bundesland, Seehöhe, Datum des Auftretens)

38,3 Grad Krems (NÖ, 204 m, 19.07.), Langenlebarn (NÖ, 175 m, 19.07.)

38,2 Grad Innsbruck (T, 577 m, 17.07.) Schärding (OÖ, 313 m, 22.07.)

38,1 Grad Wien (Innere Stadt, 171 m, 19.07.)

Tiefste Temperaturen (in Klammer Bundesland, Seehöhe, Datum des Auftretens)

0,3 Grad Obertauern (S, 1763 m, 24.06.)

0,8 Grad Obergurgl (T, 1938 m, 20.06.)

1,1 Grad St. Michael/Lungau (S, 1050 m, 25.06.)

Nasseste Orte (in Klammer Bundesland, Seehöhe)

591,3 l/m² Bad Bleiberg (Kärnten, 913 m)

540,8 l/m² Loibl (Kärnten, 1101 m)

508,9 l/m² Böckstein (Salzburg, 1175 m)

Windigste Stationen Tallagen (in Klammer Bundesland, Seehöhe, Datum des Auftretens)

140 km/h Innsbruck (T, 584 m, 07.07.)

122 km/h Arriach (K, 870 m, 08.07.)

115 km/h Klagenfurt (K, 459 m, 06.07.)

Windigste Stationen Gebirge (in Klammer Bundesland, Seehöhe, Datum des Auftretens)

130 km/h Rudolfshütte (S, 2304 m, 24.08.)

126 km/h Patscherkofel (T, 2247 m, 14.08.)

126 km/h Villacher Alpe (K, 2140 m, 08.07.)

Sonnigste Orte (in Klammer Bundesland, Seehöhe)

862 h Mörbisch (B, 116 m)

857 h Andau (B, 122 m)

852 h Gänserndorf (NÖ, 167 m)