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Hitzesommer mit Ablaufdatum

Wien, 28.08.2015 – Am Montag geht der Sommer 2015 meteorologisch gesehen zu Ende, in den letzten Tagen gibt der Hitzesommer mit bis zu 36 Grad aber noch einmal so richtig Vollgas. Egal ob Baden, Wandern, Grillen oder ein kühles Getränk im Gastgarten, das Wetter lässt keine Wünsche offen. Der Wetterdienst UBIMET geht der Frage nach dem Ende der Hitze nach und klärt zudem über den Parameter "gefühlte Temperatur" auf.

Sommerlicher Augustausklang

Mit dem 1. September beginnt bereits der meteorologische Herbst, die kommenden Tage bieten aber alles andere als herbstliche Verhältnisse. Die Zeichen stehen weiterhin auf Hochsommer! „Mit der fünften und gleichzeitig auch letzten Hitzewelle dieses Sommers stellt sich am Wochenende in ganz Österreich sonniges Bade- und Grillwetter ein, Wolken bleiben die Ausnahme,“ erklärt UBIMET-Meteorologe Martin Schreiter. Mit Höchstwerten zwischen 29 und 36 Grad liegen die Temperaturen einmal mehr in diesem Sommer deutlich über dem jahreszeitlichen Schnitt. „Im Gegensatz zu den Hitzeperioden im Juli und Anfang August ist der Sonnenstand jetzt aber bereits um einiges tiefer und die Luft kühlt in den Nächten deutlich stärker aus. Dies macht die Temperaturen um einiges erträglicher,“ so Schreiter. Sommerfans sollten die kommenden Tage jedenfalls ausgiebig nutzen, denn ab Mittwoch gehen die Temperaturen österreichweit deutlich und auch nachhaltig zurück. Das erste Septemberwochenende wird dann voraussichtlich sogar herbstliches Wetter bringen.

Gefühlte Temperatur als Maßstab für Wohlbefinden

Für den menschlichen Körper können extrem hohe Temperaturen gefährlich sein. Durch Verdunstung und Schweißabsonderung schaffen wir es aber im Normalfall die Körpertemperatur ausreichend selbst zu regulieren und somit hitzebedingte Erkrankungen zu vermeiden. Neben der reinen Lufttemperatur gibt es aber noch andere meteorologische Parameter, die für unser Wohlbefinden verantwortlich sind. Umso höher beispielsweise die Luftfeuchtigkeit ist, desto weniger effektiv ist die natürliche Thermoregulation des Körpers. Umgekehrt wird dem Körper bei trockener Luft durch Verdunstungseffekte Wärme entzogen. Als direkte Folge bekommen wir das oft in Form einer Gänsehaut zu spüren, uns fröstelt es und Wind kann dieses Empfinden noch zusätzlich verstärken. „An den kommenden Tagen lässt sich der Effekt direkt beobachten, trotz hoher Temperaturen wird der eine oder andere nach einem Sprung ins kühle Nass kurzzeitig frieren. Verantwortlich dafür ist die geringe Luftfeuchtigkeit,“ sagt Martin Schreiter.

Heatindex: Gefährliche Hitze

Um den entscheidenden Unterschied zwischen gemessener und subjektiv gefühlter Temperatur zu erfassen, gibt es in der Meteorologie einige unterschiedliche Ansätze. Als weltweit anerkannter Maßstab für die gefühlte Temperatur gilt jedenfalls der in den 1970er Jahren vom National Weather Service in den USA eingeführte Hitzeindex (Englisch: heat index). Dieser Parameter kombiniert die tatsächlich gemessene Temperatur mit der Luftfeuchtigkeit und gilt für schattige Plätze sowie wenig Wind. Unterteilt in vier Kategorien können je nach Lufttemperatur und -feuchtigkeit demnach verschiedene Gefahrenstufen und ihre Auswirkungen auf den menschlichen Körper erkannt werden. So wird beispielsweise eine Temperatur von 30 Grad in Verbindung mit sehr feuchter Luft um gut 10 Grad heißer empfunden und fühlt sich somit gleich an wie 37 Grad bei gleichzeitig niedriger Luftfeuchtigkeit. „Sehr hohe Hitzeindexwerte bedeuten jedenfalls unmittelbare Gefahr für den Körper. Hitzeschlag oder Hitzekollaps sind bereits bei Temperaturen von 32 bis 34 Grad möglich, vorausgesetzt die Luft ist entsprechend feucht,“ so Schreiter.

Windchilleffekt: Wind als entscheidender Faktor im Winter

Während der von den amerikanischen Meteorologen eingeführte Hitzeindex für die warme Jahreszeit gut geeignet ist, bedarf es für die Wintermonate einer anderen Berechnungsmethode der gefühlten Temperatur. Bei tiefen Temperaturen ist die Rolle der relativen Feuchtigkeit vernachlässigbar, dafür wird der Wind zum entscheidenden Faktor. Der sogenannte Windchilleffekt ist ein bekannter Parameter, der die verstärkte Auskühlung des Körpers an windigen Tagen berücksichtigt. Bei Temperaturen unter 10 Grad kann kräftiger Wind das Kälteempfinden bereits um 5 bis 10 Grad verschärfen. So werden Temperaturen um den Gefrierpunkt bei lebhaftem Wind wie -7 Grad empfunden. Dementsprechend lohnt sich beim Durchlesen des Wetterberichtes neben der Temperatur auch ein Augenmerk auf den Wind zu richten. „Besonders dramatische Auswirkungen kann der Windchilleffekt bei Bergtouren haben: Extreme Kälte unter -20 Grad zusammen mit stürmischem Wind mit Böen zwischen 50 und 60 km/h lassen die Temperaturen um gut 15 bis 25 kälter anfühlen, es besteht unmittelbare Erfrierungsgefahr,“ warnt Schreiter.