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Hurrikansaison 2015 – Ein Rückblick

Hurrikansaison 2015 – Ein Rückblick

Ruhiger Atlantik, Rekordsturm im Pazifik

Wien, 26.11.2015 – Am 30. November endet die diesjährige Hurrikansaison. Mit 'Ana' legte diese im Atlantik zwar einen turbulenten Start hin, verlief danach aber vergleichsweise ruhig. Im Pazifik andererseits brachte die Saison rekordverdächtig viele Stürme. Mit 'Patricia' bildete sich Ende Oktober vor der Küste Mexikos sogar der stärkste Hurrikan aller Zeiten und auch der aktuelle Hurrikan 'Sandra' stellte heute einen neuen Rekord auf. Der Wetterdienst UBIMET zieht Bilanz und nennt die Ursachen für die völlig gegensätzlichen Verläufe im Atlantik und Pazifik.

Hurrikane und ihre Stärke

Als Hurrikan bezeichnet man im Bereich des Atlantiks sowie im Nordostpazifik einen tropischen Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten über 118 km/h. Die Pendants im Nordwestpazifik werden Taifune genannt. Im Indischen Ozean, Südpazifik und in Australien spricht man von Zyklonen. „Die Hurrikansaison dauert im Wesentlichen von Anfang Juni bis Ende November. In dieser Zeit ist das Meerwasser für die Bildung von Hurrikanen warm genug“, erklärt UBIMET-Meteorologe Martin Schreiter. Tropische Stürme können außerdem anhand der 'Saffir-Simpson-Skala', einer fünf-stufigen-Skala, nach ihrer Intensität kategorisiert werden. „Stufe eins entspricht der niedrigsten und Stufe fünf der höchsten Kategorie. Hurrikane der letzten Stufe sind somit die gefährlichsten und verursachen oft immense Schäden“, weiß Schreiter.

Fulminanter Auftakt im Atlantik

In diesem Jahr schrieb Tropensturm 'Ana', der Anfang Mai in South Carolina an der US-Ostküste an Land ging, sogar Geschichte. Noch nie zuvor wurden Teile der USA so früh von einem tropischen Sturm heimgesucht. „Mit 'Ana' war aber auch schon der Höhepunkt der Saison erreicht. Es folgten in Summe noch zehn weitere Stürme, Hurrikanstatus erreichten aber nur noch vier. Das sind um zwei weniger als der üblichen sechs“, sagt Schreiter. Die größte mediale Aufmerksamkeit erlangte jedoch Hurrikan 'Joaquin'. Dieser brachte Ende September aufgrund seiner langsamen Verlagerung auf den Bahamas mehrere Tage lang Dauerregen und Orkanböen. „Gerade bei vermeintlich schwächeren Hurrikanen geht die größte Gefahr häufig nicht wie vermutet vom Wind, sondern von den immensen Regenmengen aus, die teils verheerende Überschwemmungen und Erdrutsche auslösen können“, fügt Schreiter hinzu.

Rekordverdächtige Pazifiksaison

Im Pazifik bietet sich im Vergleich zum Atlantik ein ganz anderes Bild. Mit bislang 26 tropischen Stürmen, davon 16 Hurrikanen, ist man nahe dran am Rekordjahr 1992. Damals entwickelten sich insgesamt 27 Tropenstürme und 16 Hurrikane. „Ein Rekord wurde heute aber gebrochen, mit dem aktuellen, ungewöhnlich späten Hurrikan 'Sandra' vor der mexikanischen Küste zählen wir bereits den 11. Hurrikan der Kategorie 3 und höher. Noch nie zuvor gab es so viele derart starke Wirbelstürme in einem Jahr“, sagt Schreiter. Doch nicht nur die Anzahl ist rekordverdächtig, ein Exemplar hatte es besonders in sich. Die Rede ist von 'Patricia', die Ende Oktober vor der Küste Mexikos neue Rekordmarken für die schnellste Entwicklung und die höchsten Windgeschwindigkeiten bei Hurrikanen aufstellte. „'Patricia' war hinsichtlich ihrer rapiden Verstärkung wirklich einzigartig und mit einem gemessenen Kerndruck von 878 hPa sogar der stärkste Hurrikan aller Zeiten. Dank guter Vorwarnungen und Landgang in lediglich dünn besiedeltem Gebiet im Südwesten Mexikos blieben größere Schäden aber glücklicherweise aus“, erklärt Schreiter.

Ursachenforschung

Mitverantwortlich für den stark unterschiedlichen Verlauf der Hurrikansaison ist unter anderem das weltweite Klimaphänomen El Niño. „So paradox es klingen mag, aber eine Temperaturanomalie im Südpazifik hat große Auswirkungen auf die globale Wirbelsturmsaison. Einerseits sind die Meere im östlichen Pazifik deutlich wärmer als sonst, wodurch den Stürmen mehr Energie zur Verfügung steht. Andererseits sind die Höhenwinde über dem tropischen Atlantik stärker, was sich wiederum nachteilig auf die Bildung von Hurrikane in dieser Region auswirkt“, erklärt Schreiter die Ursachen für die unterschiedlichen Bilanzen. Mit Ex-Hurrikan 'Kate' wurde am 12. November 2015 der letzte atlantische Wirbelsturm zu einem außertropischen Tief herabgestuft. Damit bestätigt sich die Beobachtung, dass in einem El-Niño-Jahr die atlantische Hurrikansaison meist zwei bis drei Wochen vor dem offiziellen Ende vorbei ist.