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November der Rekorde

November der Rekorde

Außergewöhnlich warm und sonnig, dazu viel zu trocken

Wien, 27.11.2015 – Der diesjährige November sichert sich seinen Platz in den meteorologischen Geschichtsbüchern. Vor allem die viel zu warmen ersten beiden Monatsdrittel bleiben mit spätsommerlich anmutenden Temperaturen und zahlreichen Stationsrekorden in Erinnerung. Anhaltender Hochdruckeinfluss sorgte außerdem für eine deutlich überdurchschnittliche Sonnenscheinbilanz, gebietsweise schien die Sonne sogar doppelt so lange wie normal. Zudem blieb es viel zu trocken, erst im letzten Drittel kam der lang ersehnte Niederschlag und der Frühwinter meldete sich zu Wort.

Temperaturrekorde wie am Fließband

Der November war geprägt von äußerst stabilen Hochdrucklagen, dazu lag Österreich wochenlang im Einflussbereich von ungewöhnlich warmen Luftmassen. „Der zu dieser Jahreszeit übliche Wechsel zwischen kalter und warmer Luft vollzog sich dieses Jahr viel weiter nördlich. Dementsprechend gab es mit einer Ausnahme zur Monatsmitte in den ersten beiden Novemberdritteln bei uns keinen Kaltlufteinbruch“, fasst UBIMET-Meteorologe Martin Schreiter die Wetterlage zusammen. Die Folge dieser fast schon spätsommerlich warmen Luftmasse waren Temperaturrekorde wie am Fließband in weiten Teilen Mitteleuropas. „In Österreich war der November-Allzeitrekord von 26,6 Grad in Schlins in Vorarlberg aus dem Jahr 1968 jedoch nie in Gefahr, die höchste gemessene Temperatur heuer war 24,4 Grad in Fürstenfeld. Allerdings wurden mit Ausnahme Wiens in allen Bundesländern zahlreiche neue Stationsrekorde aufgestellt“, weiß Schreiter. Sogar der letztjährige wärmste November seit Messbeginn wurde gleich in mehreren Kategorien überboten: Mit insgesamt 125 Wetterstationen meldete fast jede zweite Messstation zumindest einmal einen Höchstwert über 20 Grad - letztes Jahr waren es schon beachtliche 46 Stationen. „Im Südosten gab es bis zu sieben Tage mit Temperaturen über 20 Grad, das ist für einen November alles andere als gewöhnlich“, weiß Schreiter noch weitere Details zum Rekordmonat.

Sonne pur statt Nebelgrau

Der wochenlang anhaltende hohe Luftdruck beeinflusste nicht nur die Temperaturen, auch die Sonnenscheinbilanz fällt alles andere als durchschnittlich aus. „Hochdruckwetter im Herbst ist prinzipiell ja nichts ungewöhnliches, das wirklich beachtliche war heuer allerdings die trockene Luft, die selbst in den nebelanfälligen Regionen kein Dauergrau zuließ“, erklärt Schreiter. In ganz Österreich liegen die Sonnenstunden dementsprechend deutlich im Plus. Auch im sonst oft nebelig-trüben Klagenfurt und Graz machte die Novembersonne mit rund 60 bis 70% deutliche Überstunden“, verrät Schreiter. „In Klagenfurt fällt besonders der Vergleich zum trüben November 2014 drastisch aus, statt den letztjährigen 22 Sonnenstunden gab es heuer bislang ganze 110 Stunden und damit bereits fünfmal so viel.“ In der Bundeshauptstadt wurde sogar ein neuer Allzeitrekord aufgestellt, noch nie schien die Sonne auf der Hohen Warte in einem November länger als heuer. Auch auf den ohnehin sonneverwöhnten Bergen fällt das Plus mit 40 bis 60% noch vergleichsweise hoch aus.

Fehlender Niederschlag, Wintereinbruch im letzten Drittel

Eine markante Kaltfront leitete in der Nacht auf den 21. November einen nachhaltigen Wetterumschwung ein, Neuschnee auf den Bergen und ein Temperatursturz von 10 bis 20 Grad waren die Folge. „Viele Skigebiete eröffnen Ende November oder Anfang Dezember die Saison, neben dem Naturschnee ermöglichte die markante Abkühlung auch ein künstliches Beschneien der Pisten und rettete somit vielen Skigebieten den Saisonbeginn“, so Schreiter. Bis dahin blieb es in weiten Teilen des Landes niederschlagsfrei, was bereits drastische Auswirkungen auf die Natur hatte. In Salzburg und Tirol kam es infolge völlig ausgetrockneter Böden zu Waldbränden. Einzig im Waldviertel fällt die Niederschlagsbilanz überdurchschnittlich aus, während es in einem Streifen von Osttirol über den Lungau bis ins Mur- und Mürztal fast komplett trocken blieb.

Stürmische Monatsmitte

Zur Monatsmitte zogen zahlreiche Sturmtiefs von den Britischen Inseln Richtung Baltikum und sorgten auch bei uns für windige Verhältnisse. Auf dem Feuerkogel (OÖ, 1618 m) wurden am 15. November 151 km/h gemessen, aber auch am Jauerling (NÖ), am Buchberg (NÖ) oder auf der Jubiläumswarte (W) wurden ein paar Tage darauf Orkanböen registriert, das heißt Windgeschwindigkeiten über 118 km/h. „Auch die Böen im Flachland können sich sehen lassen, im Zuge von Sturmtief 'Gunwald' traten am 15. November in Irdning (115 km/h) und St. Georgen ob Judenburg (98 km/h) in der Obersteiermark schwere Sturmböen auf“, sagt Schreiter. „In Melk, im niederösterreichischen Donauraum, war es hingegen die Kaltfront von Tief 'Heini', die am 18. des Monats Böen bis 112 km/h brachte.“

Extremwerte für November 2015 (Stand 27.11.15, 9 Uhr)

Höchste Temperaturen

(Bundesland, Seehöhe, Tag)24,4 Grad

Fürstenfeld (ST, 273 m, 08.)24,3 Grad

Wörterberg (ST, 399 m, 08.)24,2 Grad

Hartberg (ST, 330 m, 08.)

 

Tiefste Temperaturen dauerhaft bewohnte Orte (Bundesland, Seehöhe, Tag)

-16,0 Grad Tannheim (T, 1101 m, 24.)

-15,3 Grad Galtür (T, 1587 m, 24.)

-14,4 Grad Bichlbach (T, 1073 m, 24.)

 

Absolut nasseste Orte (Summe 1.11.- inkl. 26.11.)

148 l/m² Schröcken (V, 1260 m)

126 l/m² Sulzberg (V, 1015 m)

124 l/m² Dalaas (V, 930 m)

 

Relativ nasseste Orte (in Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge)

156 % Weitra (NÖ, 573 m)

143 % Litschau (NÖ, 559 m)

140 % Allentsteig (NÖ, 596 m)

 

Absolut trockenste Orte (Summe 1.11.- inkl. 26.11.)

0,7 l/m² Oberwölz (ST, 847 m)

0,9 l/m² St. Georgen ob Judenburg (ST, 718 m)

1,0 l/m² Eichberg (ST, 578 m)

 

Relativ trockenste Orte (in Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge)

1,9 % Tamsweg (S, 1022 m), Mallnitz (K, 1196 m)

2,0 % Aflenz (ST, 784 m)

2,2 % Kals (T, 1368 m)

 

Schneereichste dauerhaft bewohnte Orte (Bundesland, Seehöhe, Tag)

45 cm Schröcken (V, 1260 m, 22.)

35 cm Langen (V, 1250 m, 26.)

19 cm Holzgau (T, 1110 m, 26.)

 

Sonnigste bewohnte Orte (Sonnenstunden 1.11.- inkl. 26.11.)

155 Stunden Fresach (K, 681 m)

153 Stunden Villach (K, 494 m)

152 Stunden Kötschach-Mauthen (K, 714 m)

 

Höchste Windspitzen in den Tallagen/ Niederungen (Bundesland, Seehöhe, Tag)

115 km/h Irdning (ST, 702 m, 15.)

112 km/h Melk (NÖ, 301 m, 18.)

101 km/h Reichenau / Rax (NÖ, 486 m, 15.)

 

Höchste Windspitzen im Gebirge (Bundesland, Seehöhe, Tag)

151 km/h Feuerkogel (OÖ, 1618 m, 15.)

144 km/h Buchberg (NÖ, 467 m, 18.), Jauerling (NÖ, 952 m, 18.)

126 km/h Brunnenkogel (T, 3440 m, 20.)